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Genre-Hybride: Muss innovativ immer schlecht sein?

Immer wieder lese ich in Ratgebern für Autoren, dass man verschiedene Genres nicht mischen sollte. Die Gründe allerdings klingen für mich wie blanker Hohn.

 

 

Guter Rat ist teuer, wie wir wissen. Trotzdem kann ich über den einen oder anderen Kollegen nur den Kopf schütteln. Da liest man, dass ein Neuautor stolz über sein Manuskript spricht und die Antwort? Ein verzogenes Gesicht und ein klares „Das macht man aber nicht!“ Warum? Weil der Autor einen Fantasy-Thriller, eine Horror-Romanze oder eine Kombination aus Erotik und SciFi geschrieben hat. Und da frage ich mich: Wer sagt, dass „man“ das nicht macht? Und wer nimmt es sich heraus, das zu beurteilen? Sehen wir uns die Argumente für solche Aussagen doch einmal genauer an.

 

„Das lässt sich nicht umsetzen!“

Das so ziemlich Engstirnigste, was man einem Autor sagen kann, ist, dass bei einem Genre-Hybriden ohnehin nichts Anständiges rauskommt. Und ja, solche Aussagen gibt es. Jemand, der eine solche Aussage äußert, spricht dem Schriftsteller damit die Fähigkeit ab, etwas zu erschaffen, was gegen den Strom schwimmt und trotzdem gut ankommt.

 

Damit sagt man dem Autor: „Hey, du kannst das sowieso nicht! Lass es lieber gleich.“ Oder noch schlimmer, das Manuskript ist bereits fertiggestellt und es kommt ein „Das wirst du nie vermarkten können!“ In meinen Augen sind all das Aussagen von jemandem, der nicht nur ziemlich fantasielos sondern gleichermaßen auch neidisch sein muss. Damit impliziert derjenige nämlich vor allem eins: Er kann es nicht und er glaubt deshalb, dass andere es auch nicht können. Erste Fehleinschätzung.

 

„Das nimmt kein Verlag!“

Es ist richtig, dass die meisten Verlage ein sehr spezifisches Programm haben, das solche Hybride nun einmal nicht umfasst. Es ist richtig, dass es schwer sein dürfte, Heyne oder Blanvalet von einer Mischung aus Gay-Erotik und Horror zu überzeugen. Beides passt schlichtweg nichts ins Programm. Aber – und hier kommt der Knackpunkt – es gibt es auch andere Verlage!

 

Und man soll es kaum glauben, aber der Hybrid Verlag beispielsweise nimmt auch solche Mischformen entgegen. Werke, die eben nicht der Norm entsprechen. Bei solchen Verlagen können auch Hybride einen Verleger finden. Selbst dann, wenn das Werk eine noch so skurrile Mischung ist. Solange das Exposé und die Leseprobe fesseln können und der richtige Verlag gewählt wird, stehen die Chancen kaum schlechter als bei jedem anderen Autor auch. Hier demnach die zweite Fehleinschätzung.

„Das liest doch sowieso keiner!“

Bei der Behauptung kann ich nur eines: ganz weit die Augenbrauen hochziehen. Da will jemand wissen, dass bei über 80 Millionen Menschen alleine in Deutschland niemand ein bestimmtes Genre lesen würde? Ohne mit jedem einzelnen gesprochen zu haben, wage ich zu sagen, dass eine solche Behauptung anmaßend ist. Es mag sein, dass ein Thriller vielleicht mehr Abnehmer findet als ein Hybrid aus SciFi und Fantasy – das möchte ich gar nicht abstreiten – aber die Aussage per se ist so sicherlich falsch. Natürlich sprechen wir hier über Nischen, ganz klar. Wer aber seine Zielgruppe gefunden hat, wird sicherlich auch mit seinem Genre-Hybriden Interessenten finden.

 

Für mich hört sich das sehr danach an, als wolle hier jemand der Leserschaft da draußen die Fantasie absprechen. Lesen Bücherwürmer denn nicht, um in neue Welten einzutauchen? Oder um Neues zu lernen und zu entdecken? Da wären wir eben wieder beim Thema Fantasie: Natürlich kann man sich unter bestimmten Hybriden nicht direkt etwas vorstellen. Aber seien wir mal ehrlich: Wenn ein Leser sich über den „tausendsten Vampirroman“ beschwert, kann und wird er zu etwas Neuem greifen. Demnach: dritte Fehleinschätzung.

Manche Bücher wollen geschrieben werden

Jeder, der selbst schreibt, kennt es vielleicht: Wir sitzen vor dem Fernsehen, im Auto oder liegen abends im Bett und auf einmal ist da eine Idee. Sie keimt in unserem Kopf und will geschrieben werden. Vielleicht ist sie etwas verrückt, anders als das, was andere Autoren schreiben. Aber es ist eine Idee, die sich in ein Buch umsetzen lässt. Und je länger sie ignoriert wird, umso penetranter wird sie. Vielleicht dauert es ein paar Tage oder Wochen und auf einmal ist in unserem Kopf der komplette Plot. Oder zumindest Teile davon.

 

Der Aussage „Bücher wollen geschrieben werden!“ schließe ich mich ohne Vorbehalte an. Einen innovativen Gedanken fallen zu lassen, fände ich schade. Und das nur, weil derjenige sich daran erinnert, dass sowas „niemand liest“ oder aus Angst, dass jemand das Gesicht verzieht. Deshalb meine Ermutigung an alle Autoren da draußen:

 

Schreibt das, was euch in den Sinn kommt. Egal, ob es jetzt nun einmal eure fünfzehnte Liebesstory ist oder ob ihr den Yeti zum CEO eines Weltkonzerns machen wollt! Wichtig ist nur, die richtige Zielgruppe zu finden und anzusprechen.

 

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